
Online-Infoabend zur Windenergie im Landkreis Pfaffenhofen
Rund zwei Stunden lang informierte der Landkreis Pfaffenhofen in Kooperation mit der Energieagentur Ebersberg-München am 19. Mai in einem öffentlichen Online‑Infoabend über den aktuellen Stand und die Perspektiven des Windenergieausbaus. Die Veranstaltung unter dem Titel „Windenergie im Fokus – Hintergründe, Perspektiven, Antworten“ wurde per Livestream übertragen. Fachleute aus Verwaltung, Wissenschaft und Verbänden gaben einen kompakten Überblick über regionale Planungsprozesse sowie gesundheitliche, naturschutzfachliche und landschaftsbezogene Aspekte. Ein Mitschnitt wird in Kürze auf der Homepage des Landkreises (www.landkreis-pfaffenhofen.de unter der Rubrik Umwelt/Windkraft) bereitgestellt.
Landrat Albert Gürtner betonte die Bedeutung einer geordneten, regional abgestimmten Energiewende. „Erneuerbare Energien werden zur tragenden Säule im Landkreis Pfaffenhofen“, so Gürtner. Die Regionalplanung und die Ausweisung von Vorrangflächen seien entscheidend, um ungeordnete Einzelprojekte zu vermeiden und die Akzeptanz zu stärken.
Vorgestellt wurden der Ablauf der Regionalplanung sowie mögliche Standorte im südlichen Landkreis. Aktuell liegen 31 Vorbescheidsanträge für Windenergieanlagen vor, zwei Anlagen sind bereits genehmigt. Gürtner verwies auf die Chancen für regionale Wertschöpfung und die Bedeutung einer sicheren, regionalen Energieversorgung. Der Landkreis verfolge weiterhin das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden.
Arthur Kraus, Geschäftsführer des Kommunalunternehmens für Energie und Infrastruktur, stellte die Aufgaben und Ziele des Kommunalunternehmens vor. Er betonte die Bedeutung einer dezentralen Energieversorgung, die Kommunen und Bürgerinnen und Bürgern neue Beteiligungsmöglichkeiten eröffnet und gleichzeitig dafür sorgt, dass finanzielle Mittel in der Region bleiben. Zudem erhöhe eine regionale Energieproduktion die Krisenfestigkeit des Landkreises. Kraus machte deutlich, dass trotz oder gerade wegen volatiler Energiepreise der konsequente Ausbau regionaler „Heimatenergie“ notwendig sei, um langfristig unabhängiger und wirtschaftlich stabiler zu werden.
Sylvia Stegmüller, Leiterin des Referats Windenergie im Bayerischen Wirtschaftsministerium, stellte die bayerischen Ausbauziele und Rahmenbedingungen vor. Bis 2030 sollen in Bayern 1000 neue Windkraftanlagen initiiert werden. Sie ging auf den aktuellen Ausbaustand, wirtschaftliche Entwicklungen sowie die seit Januar geltende verpflichtende kommunale Beteiligungsregel ein. Diese ermögliche Kommunen eine direkte finanzielle Teilhabe. Herausforderungen bestünden weiterhin durch strukturelle Nachteile bayerischer Standorte im bundesweiten Ausschreibungsverfahren.
Dr. Bernhard Brenner vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erläuterte die wissenschaftliche Datenlage zu Infraschall und weiteren Immissionen. Für Infraschall unterhalb der Hörschwelle gebe es keine Hinweise auf gesundheitlich relevante Wirkungen. Hörbarer Dauerschall über 45 dB(A) könne hingegen zu Lärmbelästigung und stressvermittelten Reaktionen führen. Dies werde aber im Genehmigungsverfahren für Windkraftanalgen streng abgeprüft.
Annemarie Räder, stellvertretende Landesbeauftragte des BUND Naturschutz in Bayern, hob hervor, dass Windenergie naturverträglich geplant werden müsse. Gute Standortwahl, Abschalt‑ und Schutzmaßnahmen – etwa für Fledermäuse oder kollisionsgefährdete Vogelarten – sowie Ausgleichsmaßnahmen seien entscheidend.
Martina Robitsch vom Bayerischen Umweltministerium erläuterte die Bewertung von Eingriffen in das Landschaftsbild. Aufgrund der Höhe von Windenergieanlagen seien Beeinträchtigungen nicht vollständig vermeidbar. Daher würden Ersatzzahlungen fällig, die von der unteren Naturschutzbehörde für Flächenerwerb sowie Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege eingesetzt werden.
Zum Abschluss unterstrich Landrat Gürtner die Bedeutung transparenter und neutraler Information. Bürgerinnen und Bürger könnten sich über den Mitschnitt der Veranstaltung sowie über den Bayerischen Energieatlas und die Landkreis‑Homepage umfassend informieren. „Genauso wie wir regionale Landwirtschaft brauchen, brauchen wir eine regionale Energieversorgung“, so Gürtner. Der Landkreis stehe für eine vernünftige, bürgernahe und zukunftsorientierte Windkraftplanung.
Bildunterschrift:
v.l.n.r.: Moderator Benjamin Hahn und Lisa Niedermaier, Energieagentur Ebersberg-München; Dr. Bernhard Brenner; Elisabeth Lux, Energieagentur Ebersberg-München; Landrat Albert Gürtner; Sylvia Stegmüller; Arthur Kraus; Annemarie Räder; Martina Robitsch
Foto: Kathrin Euringer
Quelle: Landratsamt Pfaffenhofen a. d. Ilm
